logoblogg.de • Elektrische Zigarette 

Donnerstag, 22.12.2011

Wege



zaghaft
die Linie suchen
die nie gezogen
doch immer geahnt

Sonntag, 21.08.2011

im Wald

ich reiß mich
selbst in Stücke
steh auf einem Bein

will nicht tanzen
können
dreh mich doch
im Kreis

http://www.claudiakilian.de/im-wald

Dienstag, 12.07.2011

Sackgasse

Sackgasse

den Traum
mit spitzen Ellbogen
in den Hintergrund
gedrängt

fass mich nicht an
du Bestie

der Alltags-Tsunami
nimmt seinen Lauf

Sonntag, 05.06.2011

So muss es sein



es pocht das
Rechthaber-Gen
auf seinen
Standpunkt

der sich insgeheim
verlorener Posten
nennt

Samstag, 05.02.2011

Das Bild der Menschheit

Für mich malt Francis Bacon das gültige Bild dessen, was in der Welt geschieht. Die Menschheit erbricht sich in eine Toilettenschüssel, und man sieht ihr nacktes Hinterteil.

Zitat von Patricia Highsmith

Dienstag, 28.12.2010

Brief an D.

»Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Wieder trage ich eine verzehrende Leere in meiner Brust, die einzig die Wärme deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag.«

So beginnt die Liebesgeschichte von André Gorz, die er seiner Frau Dorine widmet.

Gute Zitate darf man auch ein zweites Mal bringen, dachte ich mir, als ich das kleine Büchlein heute zur Lektüre mitnahm und suchte in der Sammelmappe nach dem fuliminaten Anfangszitat – aber ich wurde nicht fündig. Wahrscheinlich ist es eine der Seiten, die dem großen Crash zu Beginn des Jahres zum Opfer gefallen sind. Also nichts wie rein in die Sammelmappe.
Samt Schluss:

Ich will nicht bei Deiner Einäscherung dabei sein; ich will kein Gefäß mit Deiner Asche bekommen. Ich höre die Stimme von Kathleen Ferrier, die singt: ” Die Welt ist leer, ich will nicht leben mehr.”, und wache auf. Ich lausche auf deinen Atem, meine Hand berührt Dich. Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen. Oft haben wir uns gesagt, dass wir sollten wir wundersamerweise ein zweites Leben haben, es zusammen verbringen möchten.”

Geschrieben hat André Gorz den Text zwischen März und Juli 2006. Im September 2007 nahm sich das Ehepaar gemeinsam das Leben.

Freitag, 24.12.2010

Briefe und Tagebücher

Zitate aus der Kafka Biografie von Reiner Stach

“Man kommt diesem Geheimnis näher, wenn man versteht, dass ein Brief sich niemals im Ausdruck erschöpft, sondern einen Überschuss birgt, der als Zins an den Briefschreiber zurückfällt. Gewiss spiegelt jeder Brief etwas Gegebenes wider – eine Stimmung, einen Charakter, eine “Persönlichkeit” -, doch das ist keineswegs die ganze Wahrheit. Denn darüber hinaus verleiht der Brief allem, was er ausdrückt, einen höheren Grad von Realität; er wirkt auf den Autor zurück, erzeugt eine psychische Resonanz, die nicht selten in Autosuggestion mündet.”

“Briefe sind Ausdruck einer Beziehung, zugleich aber erzeugen sie diese Beziehung und formen sie.”

“Tagebuchnotizen wie Briefe wirken auf den, der schreibt, in konstitutiver Weise zurück; sie sind Mittel der Selbststeuerung und Selbstformung und somit reflektierte meditative Techniken.”

Sonntag, 05.12.2010

Trauernd

“Nachdem seine Frau gestorben war, begann John Shaw die Bücher zu lesen, die sie geliebt hatte, die Bücher auf ihrer Seite des Betts.”

Wintergewölbe

Freitag, 19.11.2010

Dann war ein Teil von Dir tot

"Mach Dir keine Sorgen. Du hast zuviel und zuwenig gesehen, wie alle Menschen vor Dir. Du hast zu viel geweint, vielleicht auch zu wenig, wie alle Menschen vor Dir. Vielleicht hast Du zuviel geliebt und gehaßt - aber nur wenige Jahre. - Dann war ein Teil von dir tot."

Auszug aus dem Tagebuch von Marlen Haushofer

Mittwoch, 03.11.2010

Worte

Worte waren ursprünglich Zauber und das Wort hat noch heute viel von seiner alten Zauberkraft bewahrt. Durch Worte kann ein Mensch den anderen selig machen oder zur Verzweiflung treiben.

Zitat von Sigmund Freud

Samstag, 18.09.2010

aus dem Radio

"Musik kommt jedenfalls aus einer anderen Sphäre, Musik ist wirklich göttlich. Das sagen die Indios, das sagen die Afrikaner, das sagen eigentlich alle. Nur wir glauben sie kommt aus dem Radio."

Christoph Schlingensief, “So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein”

Montag, 30.08.2010

Überlebenstricks

“Ich schloss die Augen und zählte auf Spanisch von eins bis zehn, worauf ich in die Hände klatschte und “Finito” brüllte, meine Beschwörungsformel gegen das Gefühl der Ohnmacht. Und siehe da, es war wie weggeblasen. Ein Zauberspruch. Eine von vielen Fähigkeiten, die ich mir als Single angeeignet hatte. Ohne solche Tricks hätte ich nicht überlebt.”

Tanz mit dem Schafsmann, Haruki Murakami

Alltagsbloggen gibt es in der Neuen Sammelmappe

Dienstag, 17.08.2010

Arbeiten im Internet

Heute möchte ich ausnahmsweise eine Mail-Anfrage in die Sammelmappe einstellen.
Es geht um eine Untersuchung der Arbeitsgruppe Arbeit-Gender-Technik der Technischen Universität Hamburg-Harburg.


Wir suchen
Interviewpartner und -partnerinnen
für das Forschungsvorhaben
„Arbeiten im Internet“


Wir führen zurzeit eine Studie zu webbasierter Arbeit und webbasierten Tätigkeiten durch.
Sie arbeiten viel mit dem Internet? Außerdem sind sie zwischen 15 und 30 Jahren alt und wohnen in oder um Hamburg? Dann würden wir Sie gerne zu Ihrem Leben und Ihrer Arbeit befragen! Dabei kann es sich es sich um Erwerbsarbeit oder um ehrenamtliche Arbeit handelt.
Für die Teilnahme sollten Sie sich ungefähr 3 Stunden Zeit nehmen. Wir können uns bei Ihnen zuhause, in den Räumlichkeiten der TU Hamburg-Harburg oder an einem Ort ihrer Wahl treffen. Das Treffen besteht aus zwei Teilen: Zunächst werden wir ein Interview mit Ihnen führen und direkt im Anschluss werden wir Ihre Internetnutzung mit Hilfe einer Software dokumentieren.
Selbstverständlich sichern wir Ihnen Anonymität zu und verpflichten uns zur Einhaltung des Datenschutzes. Wir sind ein unabhängiger Forschungsbereich, das heißt, die erhobenen Daten verbleiben in unserer Arbeitsgruppe. Sie werden streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Die Interviews werden alle anonymisiert, das bedeutet Ihr Name, von Ihnen benannter Bezugspersonen sowie weitere Angaben, die zur Identifikation führen könnten, werden durchgängig verschlüsselt und an keiner Stelle unserer Forschungsarbeit genannt.
Haben Sie Interesse bei unserer Studie mitzuwirken?
Dann wenden Sie sich zur Terminabsprache und/oder bei Nachfragen direkt an uns. Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung.

Kontakt:
Dr. Tanja Carstensen: carstensen@tuhh.de, Tel. 040 42878-4005
M.A. Jana Ballenthien: jana.ballenthien@tuhh.de, Tel. 040 42878-3446

Samstag, 31.07.2010

Landschaft im wechselndem Licht

Landschaft im wechselndem Licht, Helga Königsdorf

„Ich war eine Dreieinigkeit oder besser Uneinigkeit aus Körper, Seele und Verstand.“

Sonntag, 11.07.2010

Montag über München

Ich weiß nichts zu schreiben, ich gehe nur hier zwischen den Zeilen herum, unter dem Licht Ihrer Augen, im Atem Ihres Mundes wie in einem schönen, glücklichen Tag, der schön und glücklich bleibt, auch wenn der Kopf krank ist, müde und man Montag wegfährt über München.

Samstag, 03.07.2010

Zitate von Götz Werner

„Der Mensch ist ein Tätigkeitswesen, ein Ausdruckswesen.“
„Das Einkommen ist die Voraussetzung um Arbeiten zu können.“
„Die Arbeit brauche ich, um mich in der Gesellschaft auszudrücken.“
„Hartz IV ist offener Strafvollzug.“
„Haben wir es nötig Armut in unserem Land zu akzeptieren?“

Freitag, 18.06.2010

Pochen

Gedanken pochen
hinter der Stirn
Lass uns raus,
schreien sie
und wissen doch
dass es kein
Ausweg gibt.

Nur pochen.

Sonntag, 23.05.2010

unterm vergilbten Rasen

“…, doch dann war ich eines Tages in der Universitätsstadt bei der Freundin einer Freundin zu Gast, der großen Raucherin, heute unterm vergilbten Rasen.”

Sarah Kirsch, Prosa

Samstag, 01.05.2010

Je ein Bein

"In Nubien verteilen die Familien die Früchte der Dattelpalmen untereinander und die Verantwortung für die Pflege der Kuh ebenso. Eine Kuh hat im Allgemeinen vier Besitzer, denen je ein Bein gehört, und dieser Anteil kann verkauft und gehandelt werden."

Wintergewölbe, Anne Michaels

Dienstag, 27.04.2010

Schmerzparty

der Schmerz
heute fühlt er sich so anders an
wie hundert Schmerzarten
ein Schmerz
mit tausend Wunden
lauter kleine Schmerzwunden
es zieht
von unten nach oben in die Backe
ich spüre ihn von hinten nach vorne
oben links ist schon richtig
aber dort ist er überall
dort tobt er
mit Millionen kleinen Gesellen
feiert eine Schmerzparty
wild und ausgelassen nistet er sich
langsam bei mir ein